Entdeckung
LSD (oder LysergSäureDiäthylamid) wurde 1938 das erste Mal hergestellt
und 1943 von Albert Hofmann zufällig als psychoaktiv entdeckt. Der Chemiker
wurde bei der Arbeit mit der Substanz von einer wie er schreibt "...nicht unangenehmen
Berauschtheit..." überrascht. Begleitet wurde dieser Zustand von einem
veränderten Zeitgefühl, veränderter Selbstwahrnehmung und starken
optischen Eindrücken. Farben und Formen erschienen leuchtender und
plastischer während die Aussenwelt sich wie in einem Traum verwandelte.
Bei geschlossenen Augen kam ein Strom phantastischer, lebendig wirkender Bilder
über ihn, verbunden mit einem intensiven Kaleidoskopartigen Farbenspiel.
Dieses Erlebnis, wahrscheinlich ausgelöst durch einen kleinen Tropfen der von
der Haut absorbiert worden war, lies ihn vermuten das es sich bei LSD um eine, schon
in sehr geringen Mengen wirksame, Droge handele.
Wenige Tage später war er entschlossen der Sache im Selbstversuch auf den
Grund zu gehen. Er nahm 0,25mg oral ein, eine "...handfeste Überdosis..." wie
sich bald herausstellen sollte (Durchschnittsdosis = ca. 0,1mg). Von seinem
ursprünglichen Plan, ausführliche Labornotizen anzufertigen, musste er bald
absehen. Statt dessen bat er seine Assistentin ihn nach Hause zu begleiten, da die
Wirkungen stärker als beim ersten Mal einsetzten. Neben der schon bekannten
veränderten visuellen Wahrnehmung traten folgende Symptome auf:
- Vermeintliche Bewegungsunfähigkeit
- Trockene Kehle und ein metallischer Geschmack
- Zeitweise Konfusion
- Verlorene Zeitkontrolle
- Angstzustände
- Gefühl des verrückt werdens
- Gefühl sich ausserhalb des eigenen Körpers zu befinden
Erst gegen Ende wendete der Trip sich leicht zum Positiven. Alles in allem also wohl
der erste Horrortrip in der Geschichte des LSD.
Geschichte
Die Ergebnisse von Hofmanns Selbstversuchen liessen auf eine Verwendbarkeit der
Droge in der Psychotherapie schließen. Die nächsten 10 Jahre vergingen
deshalb mit der medizinischen Erforschung der Substanz, um die Möglichkeiten
der Behandlung auszuloten. Die Firma Sandoz brachte LSD unter dem Namen Delysid
in Form von Dragees und Ampullen auf den Markt. Empfohlen wurde es zur seelischen
Auflockerung in der analytischen Psychotherapie, besonders bei Angst- und Zwangsneurosen.
Tatsächlich wurden in dieser Zeit bemerkenswerte Ergebnisse,
z.Bsp. bei der Behandlung Alkoholkranker, in der Psychotherapie und in der Sterbehilfe,
erzielt.
Erst mit der aufkommenden Drogenwelle in den USA, gegen Ende der 50er Jahre
begann LSD auch negative Schlagzeilen zu machen. "Gefördert durch Dr. Leary
und seine Kollegen an der Harvard Universität nahm die Entwicklung vom
Heilmittel zur Rauschdroge ihren Lauf." wie Hofmann schreibt.
Dr. Timothy Leary und Dr. Richard Alpert, führten damals diverse Studienprojekte,
z.Bsp. zur Wiedereingliederung Strafgefangener oder zur Kreativitätsförderung bei
Künstlern, durch. Diese Untersuchungen,
anfangs mit wissenschaftlichem Charakter, arteten langsam zu LSD-Parties aus, was
schließlich 1963 den Ausschluß der beiden aus dem Lehrkörper der
Universität zur Folge hatte. Leary gründete daraufhin ein psychedelisches
Forschungszenturm in Mexiko, wurde aber bald des Landes verwiesen und wurde so
vom Messias zum Märtyrer der psychedelischen Bewegung.
Neben Leary sorgten auch noch die, damals noch positiven Berichte, in den Medien
für ein breites Interesse an LSD in der Bevölkerung. Es wurde als Sexdroge
angepriesen und zur Selbstheilung empfohlen. Die entstehende Hippieszene, deren
Lebensweise eng mit bewusstseinsverändernden Substanzen verbunden war, wurde zusehends
zu einem gesellschaftlichen Problem. Die Folge war das Verbot von LSD im Jahre 1967 und die
Verhaftung Timothy Learys.
Mit dem Ende der Hippie-Ära verlor auch LSD langsam an Popularität und
wurde in den 70er Jahren schließlich von anderen Drogen wie Heroin und Amphetaminen als wichtigstes Rauschmittel abgelöst.
Erst mit dem Aufkommen der Techno-Bewegung, Ende der 80er bis heute, wird LSD
wieder häufiger benutzt.
Wirkungsweise
Nach ca. 20 - 60 Minuten setzt die Wirkung ein, die sich körperlich in einer oder
mehrerer der folgenden Empfindungen zeigt:
- Metallischer Geschmack
- Erweiterte Pupillen
- Kribbeln in Armen und Beinen
- Leichtes körperliches Unbehagen
- Anspannung
- Häufiges Schlucken
Viel bedeutender als die physischen sind allerdings die psychischen Auswirkungen
von LSD. Das Spektrum ist dabei so vielfältig, daß ich hier nur einige
Aspekte benennen kann:
- Veränderte Sinneswahrnehmungen
- Veränderung in der Raum/Zeit-Wahrnehmung
- Quantitative und qualitative Veränderung des Denkens
- Halluzinationen bei offenen und geschlossenen Augen
- Starke Stimmungsschwankungen
- Verstärkte Erinnerungs- und Gedächtnisleistung
- Egoverlust
- Erhöhte Empfindsamkeit für sprachliche Andeutungen
- Erhöhte Empfindsamkeit für nichtsprachliche Andeutungen
- Einfühlsamkeit
- Interesse für philosophische und religiöse Fragen
- Fundamental veränderte Weltsicht
Gefahren
Bei jedem LSD-Versuch können schwere Verwirrtheitszustände auftreten,
die in einigen Fällen manischen oder depressiven Anfällen gleichen.
Im manischen Zustand können Allmachtsgefühle zu Unfällen
führen, wenn beispielsweise der Konsument denkt er könne fliegen oder
sei unverwundbar. Im depressiven Zustand sind dagegen Selbstmordversuche oder
psychische Zusammenbrüche möglich, ausgelöst durch
Angstzustände, Schreckensvisionen oder dem Gefühl wahnsinnig zu werden
oder zu sein. Besonders risikoreich ist die Einnahme, wenn der User sich schon vorher
in einer depressiven Stimmung befindet oder Angst vor der Droge hat. Ebenso
gefährlich sind LSD-Versuche bei Personen mit einer instabilen
Persönlichkeitsstruktur, die zu psychotischen Reaktion neigen. LSD kann hier
latent vorhandene Psychosen zum Ausbruch bringen von denen der Konsument vorher
eventuell nichts wußte. Das gilt besonders für Jugendliche unter 18 Jahren
und für Personen in deren Familie schon psychische Krankheiten aufgetreten sind.
Flashbacks bilden eine weitere Gefahr, diese können bis zu mehreren Monaten
nach dem Konsum auftreten. Sie erzeugen ähnliche Wahrnehmungsverzerrungen
wie während des eigentlichen Rausches. Diese sind zwar eigentlich
ungefährlich, können den Betroffenen aber dennoch in Angst versetzen, da
sie völlig überraschend auftreten.
Safer Use
Die folgenden Regeln sollen helfen das Risiko möglichst gering zu halten,
absolute Sicherheit bringen sie aber nicht.
Die beiden wichtigsten Faktoren für einen angenehmen Trip sind Set und Setting.
Das Set meint eure innere Einstellung, also eure Stimmung und eure Erwartungen an
die Droge. Ihr solltet gut gelaunt sein und euch geistig und körperlich fit
fühlen und möglichst keine Angst vor LSD haben. Wenn ihr Angst habt kann
eine Pille zur Einstimmung ganz nützlich sein.
Mit dem Setting ist eure Umgebung gemeint, also der Ort an dem ihr euch befindet, die
Leute mit denen ihr zusammen seid und ähnliches. Ein gutes Setting wäre
z.Bsp. eine Wiese im Sommer oder eine euch vertraute, helle Wohnung mit hohen Decken. Gute Freunde sind auch sehr wichtig, wobei mindestens einer schon Erfahrung
mit Trips haben sollte. Auf jeden Fall solltet ihr euch aber mindestens zu zweit auf die
Reise begeben. Auch angenehme Musik kann eine große Rolle spielen.
Ein weitere wichtiger Faktor ist die Dosierung, wie so oft ist weniger da mehr. 1/4 Ticket
ist für den Anfang völlig ausreichend. Ihr habt dann Gelegenheit euch mit
dem neuen Feeling vertraut zu machen, und wenn es euch gefällt könnt ihr
später auch noch ein weiteres Viertel nehmen. Die Erhöhung der Dosis sorgt
dann eher für eine Intensivierung des Erlebten als für eine längere
Dauer. Bei folgenden Versuchen könnt ihr euch dann langsam zu höheren
Dosen vortasten. Von mehr als zwei Tickets gleichzeitig rate ich aber ab.
Wenn ihr einen schlechten Trip erlebt heisst das noch nicht dsß ihr dem hilflos
ausgeliefert seid. Oft reicht es schon sich gegenseitig zu versichern das ihr
unter Drogeneinfluss steht und die Wirkung bald nachlassen wird. Redet euch gut zu
und versucht euch davon zu überzeugen das eure Umgebung auch noch
positive Aspekte bereit hält. Legt eine neue, ruhige, CD ein oder wechselt euren
Standort.
Wenn das auch nach mehreren Versuchen noch nicht anschlägt ist es an der Zeit
es mit einem Gegenmittel zu probieren. Zumindest zuckerhaltige Getränke,
Orangensaft z. Bsp., dürften nicht schwer aufzutreiben sein. Das nächsthöhere
Gegenmittel ist Diazepam (Valium). Es beendet bei einer
Dosierung von ca. 10 - 40mg zuverlässig jeden LSD-Rausch. Ebenfalls geeignet
sind Psychopharmaka wie Haldol oder Nepolept. Die oben aufgeführten Medikamente sind
allerdings alle verschreibungspflichtig, aber wenigstens Diazepam sollte leicht zu bekommen sein.
Der Arzneimittelschrank eurer Eltern hält es eventuell schon für euch bereit.
Die beiden anderen werden dagegen bei Psychosen und anderen Geisteskrankheiten eingesetzt
und sind daher nur schwer zu bekommen.
Eine Quelle sind eventuell Bekannte die längere Zeit in einer
Nervenklinik verbringen mußten. Das ist natürlich illegal, also Vorsicht.
Auf jeden Fall solltet ihr euch vor einem LSD-Versuch von einem Arzt auf eventuelle
psychische und körperliche Schäden untersuchen lassen, um so die
Gefahr zu verringern. Auch sollte während des Trips im Notfall ein Arzt zu erreichen
sein.
Lügen
Über LSD sind durch die übertriebenen Medienberichte viele
Fehlinformationen im Umlauf. Einige davon sind hier gelistet, teilweise mit Beweisen
für ihre Unwahrheit:
LSD ENTHEMMTE DEN IRREN DROGENSCHLÄCHTER
So lautete die Schlagzeile einer amerikanischen Zeitung im April 1966. Der
30jährige ehemalige Medizinstudent Stephen Kessler hatte seine Schwiegermutter mit 105
Messerstichen getötet und gab bei seiner Verhaftung an,
sich seit drei Tagen auf einem LSD-Trip zu befinden.
Ganz abgesehen davon das ein Trip höchstens bis zu 12 Stunden andauert,
stellte sich in der Verhandlung heraus, daß Kessler in seinem Leben nur vier Mal
sehr geringe LSD-Dosen zu sich genommen hatte und das die letzte Einnahme schon
über einen Monat zurück lag. Offensichtlich hatte er nur versucht als
Unzurechnungsfähig eingestuft zu werden um so ein milderes Urteil zu erhalten.
Warnung an LSD-User: Ihr könnt blind werden!
Das ist absoluter Schwachsinn! Soweit ich mich erinnern kann ist es die Erfindung eines
Polizisten der später zugab damit nur abschrecken zu wollen.
LSD verursacht Chromosomen-Schäden!
Ebenfalls Schwachsinn! Ein amerikanischer Genetiker hatte einen mehrere Jahre
hospitalisierten Mann auf o.g. Schäden untersucht und war fündig geworden.
Der Patient war mehrere Jahre mit Librium und Thorazin behandelt worden. Bei diesen
ist mittlerweile erwiesen das sie Chromosomen brechen. Ein weiterer Versuch bei
dem LSD in ein, Zellen enthaltendes, Reagenzglas geschüttet wurde sagt
ebensowenig aus. Das gleiche Ergebnis kann auch mit einer entsprechenden Menge
Milch erzielt werden.
Erfahrungsbericht
Mein erster Trip liegt ungefähr drei Jahre zurück. Ich hatte vorher mit
Ecstasy und Speed experimentiert, LSD versprach aber eine völlig andere
Erfahrung. Mit drei Freunden zusammen nahm ich so gegen 20 Uhr 1/4 Blotter.
Nach ca. einer halben Stunde bemerkte ich eine leichte Veränderung meiner
Umgebung. Allen Gegenständen schien etwas neues, vorher unbemerktes,
anzuhaften und meine Freunde hatten blasse fleckige Gesichter. Die ganze Wohnung
erschien in einem leicht gelben Farbton, irgendwie ein wenig ungesund.
Wir beschlossen also ins Freie zu gehen und uns da mal umzusehen. Vorher nahm ich
ein weiteres Viertel. Der erste Punkt
auf unserer Route war ein verlassenes Fabrikgelände, ziemlich groß, mit
mehreren Hallen und Wirtschaftsgebäuden. Wir kamen uns vor wie Christoph
Kolumbus bei der Entdeckung Amerikas, alles war neu und interessant, jede Kleinigkeit
schien bedeutsam zu sein. Das Areal war wild überwuchert und man mußte
sich den Weg regelrecht frei kämpfen. Die ganze Gegend wirkte sehr plastisch,
die beste Assoziation die mir einfällt ist wohl ein impressionistisches
Gemälde mit vielen Farben und unglaublichen Licht- und Schatteneffekten. Im
obersten Stockwerk einer der Hallen sah ich zufällig durch ein zerbrochenes
Fenster nach oben und das Bild fesselte mich für mehrere Minuten. Durch die
Splitter war der Vollmond zu sehen, in einer Schönheit die nicht zu beschreiben
ist.
Drei von uns erstiegen das Dach des Gebäudes, auf dem ein alter,
stählerner Wasserturm stand. Er schien von Rost zerfressen, aber wir schoben
das unserer Einbildung zu (Eine Freundin erzählte mir später das
er in der Tat extrem einsturzgefährdet ist) und kletterten auf seine Brüstung.
Der Blick auf die Stadt war genial, ein Lichtermeer wie in einer Großstadt. Der Dom
und die Stadtmauer waren erleuchtet und die Autos schienen sich rasend schnell zu
bewegen.
Nachdem wir die Fabrik fünf Stunden auf den Kopf gestellt hatten machte jemand
einen neuen Vorschlag. Wir fuhren daraufhin zum Melnibokus, einem Berg der mit dem
Auto in ca. 20 Minuten zu erreichen ist. Eigentlich war niemand von uns in der Lage Auto
zu fahren, aber es fand sich schließlich ein Freiwilliger und los ging's.
Die Fahrt durch die Stadt und über die Landstraße glichen einer
Achterbahnfahrt. An keiner Stelle konnte ich irgend etwas wiedererkennen, ich hatte
keine Ahnung wo wir uns befanden und beschloß, mich auf den Innenraum des Fahrzeugs zu konzentrieren. Die Leselampe war mit roter Folie überklebt und
erzeugte ein seltsames Licht, in dem der Beifahrer, wie ein lachender kleiner Teufel
aussah, was allerdings nicht Furchteinflössend sondern eher lustig war.
Den Berg ging es in engen Serpentinen herauf und ich schätzte die
Geschwindigkeit auf ca 80 kmh, was aber eigentlich völlig unmöglich ist.
Oben stiegen wir aus und gingen ungefähr 50m geradeaus zu einer
Absprungrampe für Drachenflieger, direkt an einem steilen Abhang. Von dort hatte
man einen unverstellten Blick über die Rheinebene und bis zum Frankfurter
Flughafen (obwohl ich mir nicht sicher bin ob das tatsächlich so ist). Die Lichter
von Straßenlaternen, Autos und Häusern schienen sich zu Armeen zu
gruppieren. Ein leuchtendes Heer wartete auf unsere Befehle. Wir begannen
Anweisungen zu geben indem wir mit den Händen in verschiedene Richtungen
zeigten und wedelten. Die Heere folgten den Befehlen bis wir schließlich in
ungläbiges Gelächter ausbrachen. Wir beschlossen uns auf den
Rückweg zu machen, doch wir konnten den Wagen nicht mehr finden (50m
geradeaus!!!). Wir irrten eine gute halbe Stunde auf dem Berg herum bevor wir es
endlich wiederfanden. Von der Fahrt nach Hause bekam ich dann nicht mehr viel mit
und nachdem wir angekommen waren schlief ich sofort ein.
Insgesamt waren wir 12 Stunden unterwegs und ich kann eigentlich nicht behaupten,
daß mir das alles irgendwelche tiefen Einsichten beschert hätte. Es war
mehr wie ein Hollywood-Film in dem du selbst die Hauptrolle spielst. Trotzdem war es
für mich eine interessante Erfahrung.
Interview mit Allen Ginsberg
Allen Ginsberg auf die Frage des Playboy, was LSD bewirke:
"Wie man sich auf einem Trip fühlt?
Eine kribbelnde Empfindung überkommt deinen Körper, ein Wandel
interplanetarischer Natur deiner Säugetieraugäpfel und
Gehöröffnungen. Dann kommt das Realisieren, daß du ein geistiges
Wesen bist, in einem ungeheuren Tierleib hausend, der riesige Öffnungen,
Löcher, zirkulierende Systeme, innere Kanäle und mysteriöse,
abgelegene Gassen des Geistes enthält. Jede einzelne dieser abgelegenen
Gassen kann eine lange, lange Strecke erkundet werden, etwa ein Zurückgehen
in die Erinnerungen der Kindheit oder ein Voranschreiten in die Zukunft, wobei alle Arten
von Umwandlungen im Körper, im Geiste oder in der Welt draussen vorstellbar
sind und neue Welten erfunden werden oder man sich an solche erinnert, die einst
existiert haben, wie das alte Ägypten.
Dann merkst du, daß all diese in deinem Geist gleichzeitig da sind. Langsam
näherst du dich dem geheimnisvollen Gefühl, daß wenn all diese
Geschichten und Welten zur selben Zeit in deinem Geist existieren - was ist dann mit
dieser hier in der du wirklich drin bist - oder denkst daß du's bist?
Existiert das auch nur in deinem Bewusstsein?
Dann kommt ein Wahr-nehmen, daß das nur in deinem Bewusstsein ist. Das
Bewusstsein hat das geschaffen. Dann beginnst du dich zu wundern. Wer ist dieses
Bewusstsein? Auf dem Höhepunkt der Acid-Erfahrung bemerkst du, daß dein
Geist derselbe Geist ist, der immer existiert hat, in allen Menschen, zu jeder Zeit, an
jedem Ort: Das ist der Große Geist - derselbe Geist den Menschen Gott nennen:
dann regt sich ein faszinierender Verdacht: Ist es der Geist, der Gott genannt wird oder
ist es der Teufel? Hier ist ein Punkt, an dem ein schlechter Trip beginnen kann - wenn
du dich entscheidest das dies ein dämonischer Schöpfer ist. Du
verrennst dich im Nachforschen, ob er existieren sollte oder nicht.
Um von diesem Gedankengang abzuspringen, kannst du einfach deine Augen
öffnen und sehen, daß du auf einem Sofa in einem Wohnzimmer sitzt mit
Grünpflanzen am Kaminsims. Draußen vor dem Fenster weht der Wind in
all seine Gestalten durch die Strasse - Leute spazieren unter vom Wind bewegten
Bäumen - alles im selben Rhythmus. Und je mehr du das Synchrone beobachtest,
ob es sich um ein Tier oder ein anderes empfindsames Detail in deiner Umgebung
handelt, desto mehr wirst du gewahr, daß alles um dich herum lebendig
ist. Du merkst allmählich, daß über dem Kamin eine Pflanze mit
gigantischen zellularen Blättern hängt, eine riesige unbemerkte Kreatur,
und du fühlst vielleicht eine plötzliche einfühlende und intime
Beziehung zu jenem armen großen Blatt und wunderst dich: welche Art von
Erfahrung des Sich-Neigens und Abschlaffens wird dieser Blütenstengel nun
schon seit mehreren Wochen durchmachen. Du merkst, daß alles Lebendige
auf seiner eigenen Ebene eine solche Einmaligkeit von Existenz-Erfahrung durchlebt,
welche für sein Dasein ebenso schwer wiegt wie deines für dich. Auf
einmal wirst du einfühlsam und empfindest eine Liebe, eine
brüderlich-schwesterliche Beziehung zu all diesen Wesenheiten. Du mußt
lächeln, denn deine eigenen Lebenserfahrungen sind ja nicht mehr und nicht
weniger absurd und verrückt als die Lebenserfahrung jener Pflanze; du merkst,
daß du und die Pflanze, ihr beide, in dieser seltsamen Existenz zusammen seid,
in welcher Bäume im Wintergarten erblühen und ihre Äste gen Himmel
strecken. Schließlich findest du heraus, daß sie besser wachsen wenn du
ihnen Musik vorspielst.
Also besteht das erweiterte Areal des Bewußtseins auf Acid in deinem
Gewahrwerden, was innerhalb deines eigenen Kopfkosmos abläuft, - in all jenen
Korridoren, welche zu Träumen führen, Erinnerungen, Phantasien - aber auch
dessen, was außerhalb von dir passiert. Aber gehst du tief genug nach innen,
siehst du dich vielleicht am Ende mit dem letzten Problem konfrontiert: Ist das alles eine
Traum-Natur? Die große uralte Frage:
Was ist dieses Dasein in dem wir sind? Wer sind wir?
Dann kann in dir aufgehen, was Timothy Leary die Erfahrung des "Klaren Lichts"
genannt hat oder wie sie es in Südamerika nennen, kommt das "Schauen in die
Augen der Verschleierten Hohen Frau" auf - Das sehen wer ES ist, oder wer all dies
erschafft. Was ist die Wesenheit all dessen? Hier sind wir bei jenem Teil der
Acid-Erfahrung, welcher für unbeschreibbar gehalten wird und ich bin auch nicht
sicher, ob ich die richtige Erfahrung hatte, um das beschreiben zu können.
Alles stellt sich als ein großes, bewußtes Selbst heraus, dessen Organe aus
allen verschiedenen Lebewesen gebildet werden, so daß dieses Selbst
gleichzeitig auf jede nur mögliche, unterschiedliche Art begreift und verspürt,
umfassender als alle Worte..."
Literaturhinweise
Folgende Titel sind meiner Meinung nach empfehlenswert:
Albert Hofmann
LSD - mein Sorgenkind
dtv / 16,90DM
ISBN 3-423-30357-3
|
Peter Stafford
Informationsreihe Drogen Bd.1 - LSD
Raymond Martin Verlag
ISBN 3-88631-200-3
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